Pädagogische Beobachtung in der Kita

Das Beobachten eines Kindes ist Ausgangspunkt, um seine Themen und Bedürfnisse zu entdecken, aufzugreifen und darauf reagieren zu können. Wenn wir ein Kind beobachten, zeigen wir ihm: Ich sehe dich, ich bin da!

Kindliche Entwicklung wahrnehmen und beobachten

Pädagogische Fachkräfte begleiten Tag für Tag die Kinder in den Einrichtungen. Dabei hat jedes Kind individuelle Bedürfnisse, Wünsche und Interessen. Wenn Erzieher:innen Kinder im Alltag beobachten, dann können diese nicht nur die Themen des Kindes erkennen, sondern sind auch aufmerksam und achtsam. 

Beobachten bedeutet auch immer „achten“. So achten pädagogische Fachkräfte jedes Kind in seiner Individualität. Und das merkt das Kind. Es erkennt, dass es da Menschen gibt, die es wahrnehmen, die es akzeptieren und die es begleiten.

Grundlagen der Beobachtung

Im gemeinsamen Rahmen der Länder für die frühe Bildung in Kindertageseinrichtungen ist festgeschrieben, dass Beobachtung und Dokumentation wesentliche Elemente der pädagogischen Arbeit in Kitas sind und die Basis für das pädagogische Handeln bilden. Kinder in ihren Entwicklungs-, Lern- und Bildungsprozessen zu beobachten und zu begleiten, ist eine der zentralen Aufgaben pädagogischer Fachkräfte.

Auch wenn die Beobachtung der kindlichen Entwicklung gesetzlich verankert ist, haben die Einrichtungen (je nach Bundesland) Freiheit in der Wahl der Verfahren und in der Umsetzung innerhalb der Kita-Praxis. Dadurch ist die Dokumentationspraxis in Kitas sehr vielfältig. Grundsätzlich sollten die Beobachtungsverfahren jedoch einen Bezug zur Einrichtungskonzeption und zu den aufgeführten Kompetenz- und Bildungsbereichen des jeweiligen Bildungsplans haben.

Beobachtungsverfahren in der Kita

Für die Beobachtung in der Kita gibt es vielfältige Herangehensweisen. Die pädagogischen Fachkräfte können sich an vorgegebenen Schemen orientieren, Leitfragen verwenden oder ganz frei beobachten. Auch die Dauer der Beobachtung (kurz- oder langfristig), der Fokus (einzelnes Kind oder Kindergruppe) und das Setting (Testumgebung oder Alltagssituation) können variieren. Zudem gibt es auf der einen Seite Beobachtungsverfahren, die eine systematische (quantitative) Auswertung anhand von Normtabellen ermöglichen. Auf der anderen Seite stehen Verfahren, die die qualitative Auswertung, also individuelle Schlussfolgerungen in den Vordergrund rücken.

Pädagogische Fachkräfte und Kita-Teams müssen sich daher vor der Wahl eines Verfahrens die Frage nach dem Beobachtungsziel stellen. Geht es darum, den Entwicklungsstand systematisch zu erfassen, einzuordnen und bspw. anhand einer Normtabelle abzugleichen? Dafür sind standardisierte Beobachtungsverfahren sehr gut geeignet.

Oder geht es darum, festzuhalten, wie das Kind beispielsweise aus Bausteinen im Freispiel ein Mandala gelegt hat? Hier wäre eine standardisierte Dokumentation nicht zielführend, sondern eher ein Portfolio-Eintrag. Ebenso denkbar sind weitere freie Formen der Dokumentation, wie beispielsweise ein Video. Dieses bietet sowohl die Möglichkeit, den Prozess aufzuzeigen, als auch das Kind direkt zu seinem Werk sprechen zu lassen.

Bei all den verschiedenen Möglichkeiten ist es wichtig zu betonen, dass sich die verschiedenen Formen gegenseitig nicht ausschließen. Stattdessen können diese auch zielgerichtet kombiniert werden und so den zahlreichen Facetten der kindlichen Entwicklung noch besser gerecht werden.

Kinder zu beobachten bedeutet, Kinder zu begleiten!

Beobachten bedeutet, ein Kind immer wieder neu kennenlernen zu wollen!

Kinder brauchen ein Gegenüber, das ihnen offen und wertschätzend begegnet. Das heißt, unvoreingenommen in den Kontakt mit dem Kind zu treten und ihm jeden Tag aufs Neue die Chance zu geben, zu zeigen wer es ist, was es interessiert, was es braucht und was es kann. Das beinhaltet, dass man als Erzieher:in bewusst auch Vorerfahrungen immer wieder hinterfragen und vorschnelle Schlussfolgerungen kritisch reflektieren muss. Denn wenn ein Kind die Chance erhält, sich jeden Tag aufs Neue zeigen zu dürfen, dann erhält es auch die Chance an seinen Erfahrungen zu wachsen und Selbstsicherheit aufzubauen.

Um Kinder individuell fördern und ihre Entwicklung bestmöglich begleiten zu können, ist die intensive Beobachtung jedes einzelnen Kindes von großer Bedeutung. Die pädagogischen Angebote für die Kinder werden aus den individuellen Interessen der Kinder heraus entwickelt.

Hier werden drei Säulen der pädagogischen Arbeit besonders deutlich: beobachten, verstehen und begleiten.

Literatur:

Jugendministerkonferenz/Kultusministerkonferenz (2004): Gemeinsamer Rahmender Länder für die frühe Bildung in Kindertagesstätten (Beschluss der Jugendministerkonferenz vom 13./14.05.2004 / Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 03./04.06.2004). Verfügbar unter: www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2004/2004_06_04-Fruehe-Bildung-Kitas.pdf (Zugriff am 07.06.2023)

Lepold, M., Lill, T., Tuffentsammer, M. (2021)

Lepold, M., Lill, T., Tuffentsammer, M. (2023)

Lill, T. (2019): Wie verändert sich der Blick durch die Haltung des Beobachters? In: M. Ledig, G. Merget, C. Püttmann, U. Uhlendorff & H. Weyhe (Hrsg.): Erziehen als Profession. Lernfelder 1-3. Braunschweig: Westermann, S. 662

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