Was war doch gleich… alltagsintegriert?

Alltagsintegrierte Sprachbildung, alltagsintegrierte Entwicklungsdokumentation, alltagsintegrierte Förderung…

…das hat sicherlich jeder schon einmal gehört. Oder zweimal. Wahrscheinlich sogar unzählige Male. Der Begriff ist somit geläufig – doch wer kann spontan erklären, was genau dahintersteckt?

Alltagsintegriert…bedeutet im Alltag integriert. Ok, das hilft noch nicht wirklich weiter.

Alltagsintegriert bedeutet, dass man eine bestimmte pädagogische Handlung, sei es die Sprachbildung, die Entwicklungsdokumentation oder spezifische Kompetenzförderung nicht als gesonderte, zusätzliche Handlung betrachtet. Nicht in dem Sinne „oh, jetzt müssen wir aber auch noch mal etwas für die Sprachbildung machen“ oder „ja, die Dokumentation machen wir dann im Jahrestakt für alle Kinder.“

Gelegenheiten im Alltag erkennen!

Bei alltagsintegrierten pädagogischen Handlungen erkennen die Fachkräfte Gelegenheiten im Kita-Alltag. Sie nutzen diese, um bspw. den Kindern Impulse zu setzen, ins Gespräch zu kommen oder einem Problem weiter auf den Grund zu gehen. Alltagsintegrierte Bildung findet stets in bedeutungsvollen Situationen statt. Das Handeln ist für die Kinder sinnstiftend und nicht aus dem Kontext gerissen. Die Interessen der Kinder werden aufgegriffen und an deren Selbstbildungspotenzialen angesetzt.  

Lebensweltbezug

Denn wenn Kinder lernen, lassen sie sich stets von ihren Interessen leiten. Das zu erwerbende Wissen muss außerdem einen Bezug zu ihrer Lebenswelt und zum Hier und Jetzt haben. Sie müssen Anknüpfungspunkte für sich ausmachen können. Denn nur wer den Sinn dessen versteht, was er lernt, begreift auch und kann das Wissen auf andere Bereiche übertragen.

Alltagsintegrierte Bildung und Förderung zeichnen sich dadurch aus, dass sie in bedeutungsvolles Handeln eingebettet und durch feinfühlige Beziehungsarbeit begleitet sind. Sie finden in allen Situationen des Einrichtungsalltags ihre praktische Umsetzung und nicht nur in herausgegriffenen, inszenierten Momenten. 

Routinesituationen genauso wie geplante Aktivitäten

Wir sprechen also sowohl von alltäglichen Routinesituationen wie Mahlzeiten, Anziehen und Körperpflege, als auch vom Freispiel und geplanten Aktivitäten. Denn alltagsintegriert bedeutet, dass man sämtliche Situationen im pädagogischen Alltag als solche bewusst nutzt.

Die Grundlage dafür, um gezielt Bildungsprozesse anzustoßen, ist natürlich das Wissen, um Entwicklungsprozesse und wie man diese initiieren, begleiten und unterstützen kann.

Alltagsintegrierte Sprachbildung

Handelt es sich um alltagsintegrierte Sprachbildung, so benötigt man beispielsweise das Wissen, wie man gezielt durch Rückmeldestrategien, dem Kind zu einem erweiterten Sprachverständnis helfen kann. Oder wie man durch Fragetechniken das Kind nicht nur in ein Frage-Antwort-Gespräch verwickelt, sondern auch zum selbstständigen Denken, Reflektieren und Formulieren anstößt.

Insgesamt geben Sie den Kindern viele alltagsintegrierte Entwicklungschancen, indem Sie Ihnen Raum geben, bei Fragen selbst Antworten zu finden und diese nicht vorwegnehmen. Oder auch Herausforderungen oder Probleme nicht sofort für die Kinder lösen, sondern selbst die Möglichkeit geben, Strategien zu entwickeln und durch Versuch, Irrtum und Erfolg zu lernen.

Oder Sie kommen ganz konkret mit einem Kind über dessen Entwicklung ins Gespräch. Blättert beispielsweise ein Kind in seinem Portfolio, so kann man dies aufgreifen und gemeinsam mit ihm darüber sprechen, was es bereits alles gemeistert hat. Dem Kind wird seine eigene Entwicklung bewusst, es gewinnt an Selbstbewusstsein, sich auch neuen Herausforderungen zu stellen.

Die Fachkraft als Unterstützung

Bei alltagsintegrierter Bildung steht die pädagogische Fachkraft unterstützend an der Seite der Kinder und begleitet deren Entwicklung. Es geht also nicht darum, allein Kinder mit einem erhöhtem Förderbedarf zu begleiten, sondern allen Kindern Impulse zu geben, sich weiterzuentwickeln. Darum ist alltagsintegrierte Bildung auch nicht als Ersatz für gezielte Fördermaßnahmen zu sehen. Diese finden weiterhin als Ergänzung statt.

Das ist also alltagsintegrierte Bildung. Kein gesondertes Förderprogramm, sondern das bewusste Nutzen von alltäglichen Situationen als Bildungsgelegenheit: entwicklungs-, lebenswelt- und kompetenzorientiert. Wenn Sie mit diesem Bewusstsein in den pädagogischen Alltag gehen, werden Sie sehen, wie viele Situationen sich Ihnen bieten, den Kindern Impulse zu geben.


Ein Video zu diesem Thema finden Sie auf unserem YouTube-Kanal!


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