Kindliche Bedürfnisse

Bedürfnisse erkennen und mit Eltern darüber ins Gespräch gehen

Achten Sie auf die kindlichen Bedürfnisse? Der erste Gedanke scheint hier zu sein: Klar, das machen wir doch immer! Aber das Kind zu fragen, was es anziehen oder essen möchte, ist hier nicht gemeint. Dies beantwortet nicht die Frage nach den kindlichen Bedürfnissen. Spannend einmal genauer hinzusehen.

Was sind überhaupt Bedürfnisse?

Oftmals entwickelt sich ein Bedürfnis aus dem Gefühl heraus, dass etwas fehlt. Doch was genau?  So individuell wie die Bedürfnisse von Kindern sein können, so ähnlich sind sie gleichzeitig. Man spricht in diesem Fall von Kernbedürfnissen der Kinder. Hier gibt es verschiedene Facetten, wie beispielsweise die emotionalen Bedürfnisse nach Liebe, Sicherheit Anerkennung und Respekt. Weitere Kernbedürfnisse sind essen, trinken, Wärme, Atmen oder Schlaf. Eben all das, was wir brauchen, um leben zu können. Aber auch die Bedürfnisse nach Anregung, Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung sind wichtig und bedeutsam.

Das Kind ist Baumeister seiner Selbst. Es steuert seine eigene Entwicklung und diese vollzieht sich dann zufriedenstellend, wenn die Rahmenbedingungen in seiner Umgebung an seinen individuellen Bedürfnissen ausgerichtet sind.

Maria Montessori

Und genau deshalb ist es wichtig mit Kindern ins Gespräch zu gehen. Ins Gespräch über ihre Bedürfnisse. Wichtig ist dabei immer daran zu denken: Nicht ZUM sondern MIT den Kindern reden. Kinder merken sehr wohl, ob Erwachsene ihnen echtes Interesse entgegenbringen. Sie merken sehr genau ob ihnen wirklich zugehört wird.

Wie erkenne ich kindliche Bedürfnisse?

Kinder äußern ihre Bedürfnisse oft mithilfe von Ausdrucksformen, die wir als Erwachsene oft nur schwer entschlüsseln können. Es ist anstrengend nicht von den eigenen erwachsenen Bedürfnissen auf die der Kinder zu schließen. Um Bedürfnisse von Kindern wahrnehmen zu können müssen wir Kinder intensiv beobachten. Durch eine einfühlsame, sorgfältige und konsequente Beobachtung sind wir in der Lage das Verhalten, die Mimik und Gestik sowie die verbalen Äußerungen richtig zu deuten.

Was brauchen Kinder, um sich entwickeln zu können?

Hier ist es wichtig den Begriff noch etwas genauer zu definieren. Es geht darum, die kindliche Entwicklung als Zusammenspiel zwischen Bedürfnissen, ihrer Erfüllung und ihrer Verarbeitung zu verstehen. Die Erfüllung der Bedürfnisse muss ausgewogen sein. Nur dann können Kinder sicher und gut aufwachsen. Die eigenen Bedürfnisse auch mal zurückzustellen kostet Kinder viel Kraft. Wichtig ist, dass Kinder sich auch hier verstanden, gesehen und anerkannt fühlen. 

Wir können Kindern helfen, stark fürs Leben zu werden, indem wir sie dabei unterstützen, ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und zu benennen. So kann es ihnen auch gelingen, die Bedürfnisse anderer Menschen zu erkennen und zu berücksichtigen. Es ist wichtig, Kindern einen eigenverantwortlichen Umgang mit ihren eigenen Bedürfnissen und einen respektvollen Umgang mit den Bedürfnissen anderer vorzuleben. 

Kinder brauchen drei Dinge: Sie brauchen Gemeinschaft, in der sie sich aufgehoben fühlen, Aufgaben, an denen sie wachsen können und Vorbilder, an denen sie sich orientieren können

Gerald Hüther

Es geht nicht darum, zu schauen, was ein Kind zu einem bestimmten Zeitpunkt kann oder können sollte. Viel wichtiger ist zu schauen, was ein Kind braucht um sich sicher entwickeln zu können. Und auch bei den Bedürfnissen gilt: Jedes Kind hat sein eigenes Tempo! Einmal mehr wird deutlich, dass Kinder Erwachsene brauchen, die ihnen als Vorbilder dienen. 

Von großer Bedeutung ist, dass Kinder ihre eigenen Bedürfnisse wahrnehmen und auch ausdrücken. Eigentlich müssen Kinder dies nicht lernen – es sei denn sie wurden daran gehindert: ‚Du willst bestimmt…‘, ‚davor hast du doch Angst‘ sind Beispiele dafür, wie Erwachsene Kinder daran hindern, ihre eigenen Gefühle auszudrücken.

Mehr zum Thema kindliche Bedürfnisse: Was ist eigentlich Bedürfnisorientierung?

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Literatur:

  • Schmitz, Sybille (2018): Kindliche Bedürfnisse als Mittelpunkt der Kita-Pädagogik, Don Bosco Verlag
  • Ledig M./ Merget G./ Püttmann C./ Uhlendorff U./ Weyhe H./ Fthenakis W. (Hrsg.) (2019): Erziehen als Profession, Westermann
  • Böcher, Hartmut (Hrsg.) (2010): Erziehen, bilden und begleiten, Bildungsverlag EINS
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