Gewalt in der Kita verhindern

Krippe, Kindergarten und Hort als sichere Orte für Kinder

Oft merkt man gar nicht, wie man mit seinem Handeln in den Autonomie- und Wohlfühlbereich des Kindes einschreitet. Dementsprechend kommt Fehlverhalten pädagogischer Fachkräfte in unterschiedlicher Intensität und Häufigkeit in nahezu jeder Kita vor. Richtigerweise darf übergriffiges und vernachlässigendes Verhalten durch erwachsene Bezugspersonen keinesfalls ignoriert werden. Doch wo genau beginnt Gewalt und pädagogisches Fehlverhalten? Und wie kann man frühzeitig Gewalt in der Kita verhindern?

Verschiedene Formen von Gewalt in der Kita

Zum einen kann sich pädagogisches Fehlverhalten durch offensichtliche körperliche Gewalt äußern. Zum anderen gibt es jedoch auch subtile Gewalt gegenüber Kindern, die seelisch wirkt. Anders gesagt kommt Fehlverhalten nicht nur laut und massiv, sondern auch auf leisen Sohlen daher. Zudem kann es aktiv oder passiv – beispielsweise durch unterlassene Hilfe – geschehen. Obwohl der Gedanke an körperliche und seelische Vernachlässigung, übergriffiges Verhalten und sexualisierte Gewalt im Zusammenhang mit dem Kita-Alltag häufig abwegig erscheint, geschieht es immer wieder. Dazu zählen zum Beispiel das Beschämen, Ausgrenzen und Abwerten von Kindern und ihren Leistungen. Ebenso sind das Zwingen zum Essen, Unterlassen von Hilfestellung und mangelnde Anregung Beispiele für pädagogisches Fehlverhalten.

Gewalt in der Kita
Zwang zum Essen als eine Form von Gewalt in der Kita

Folgen von Gewalt in der Kita

So vielfältig, wie sich Gewalt und übergriffiges Verhalten äußern, sind auch die Folgen für die Beteiligten. Erstens leidet insbesondere das betroffene Kind unter pädagogischem Fehlverhalten. Nicht nur körperliche Verletzungen und psychosomatische Störungen können sich zeigen. Oft entstehen auch unspezifische Beeinträchtigungen, Kontakt- und Beziehungsstörungen oder seelische Syndrome infolge von Gewalterfahrungen. Zweitens leiden auch die direkten Bezugspersonen unter pädagogischem Fehlverhalten. Die gesamte Kita-Gruppe, die Eltern, das Team, aber auch der Träger spüren, wie das Vertrauensverhältnis schwindet. Darüber hinaus machen sich Scham- und Schuldgefühle, Verunsicherung, Angst und Misstrauen breit.

Solidarität ja, wegschauen nein!

Folglich stellt sich die Frage, wie mit der Problematik umzugehen ist. Weder die Verharmlosung noch die Dramatisierung von Fehlverhalten durch pädagogische Fachkräfte ist zielführend. Während erstere zur Normalisierung und ggf. Häufung des Verhaltens beiträgt, führt letztere zu vorschnellen Schlüssen und ungerechtfertigter Stigmatisierung. Um einen gewaltfreien Kita-Alltag zu etablieren ist es deshalb wichtig, als Team aktiv zu werden. Dort, wo Verständnis für Überforderung gezeigt und Unterstützung angeboten wird, wird nicht weggesehen und nicht angeklagt. Stattdessen werden gemeinsam Auswege gesucht, um eine bedingungslos kindgerechte Pädagogik zu etablieren. Dazu braucht es eine Kultur der Achtsamkeit und Offenheit. Deshalb gilt es, sich eingehend mit der Thematik auseinanderzusetzen und alle Teammitglieder zu sensibilisieren. Dies kann beispielsweise im Rahmen einer Fortbildung geschehen.

Konzeptionelle Verankerung von Kinderschutz

Jede Kita ist gemäß § 45 Abs. 3.1 SGB VIII dazu verpflichtet, zur Erlangung der Betriebserlaubnis ein Kinderschutzkonzept vorzuhalten. In diesem Bestandteil der Konzeption wird definiert, wie die Kinder der Kita konkret vor Gewalt geschützt werden. Ebenso wie der präventive Gedanke einfließt, wird hier auch festgeschrieben, welche Maßnahmen im konkreten Fall von pädagogischem Fehlverhalten greifen. Die Erarbeitung eines entsprechenden Kinderschutzkonzeptes sollte unbedingt gemeinsam mit dem Kita-Team erfolgen, um einen breiten Konsens und Bewusstsein zu schaffen.

Kinder stärken

Ehe es zu übergriffigem Verhalten kommt, kann im Kita-Alltag einiges zur Prävention getan werden. Mitunter hilft es, wenn die Kinder deutlich ihre Selbstwirksamkeit erfahren. Hierzu trägt eine etablierte Gesprächs- und Partizipationskultur bei. Altersgerechte Beschwerdeverfahren für Kinder sind zu etablieren. Kurz gesagt sind ihre Bedürfnisse und Sichtweisen stets ernst zu nehmen. Dadurch werden die Kinder befähigt, sich zu äußern und darauf zu vertrauen, dass ihre Stimme Gewicht hat. Daneben können auch gruppenpädagogische Angebote zur Gewaltprävention helfen, die emotionalen und sozialen Fähigkeiten der Kinder zu stärken.

Qualifikation für Erzieher und Erzieherinnen

Um Gewalt in der Kita von vornherein zu verhindern, ist es hilfreich sich stetig weiterzubilden. Wir unterstützen Sie dabei mit unserem Experteninterview mit Dr. Jörg Maywald (Autor von Gewalt durch pädagogische Fachkräfte verhindern) zum Thema Die Kita als sicherer Ort für Kinder. Daneben haben wir mit unserem Praxis-Kurs „Gewalt durch pädagogische Fachkräfte verhindern“ die passende Fortbildung für KinderpflegerInnen, ErzieherInnen und Kitaleitungen.

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